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Schöpfungsandacht - Schönheit der Schöpfung

 

Texte und Zitate:

 

 „Der Klimawandel macht sich in den letzten Jahren schmerzlich bemerkbar: Überschwemmungen, Waldbrände, Wasserknappheit, übergroße Hitze, die nicht nur den Menschen, sondern auch den Fischen und den Pflanzen zu schaffen macht, ja die ganze Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten bedroht. Vernünftige Gründe allein überzeugen offensichtlich die Menschen nicht, dass sie die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um dieser Gefahr zu begegnen und die Erwärmung der Erde zu stoppen. Da braucht es eine tiefer begründete, eine spirituelle Beziehung zur Schöpfung. Wenn wir die Schönheit der Natur wahrnehmen und in der Schönheit die Spur Gottes erkennen, dann werden wir auch achtsamer mit der Schöpfung umgehen.“  aus Anselm Grün „Die Schönheit unserer Welt entdecken“

 

Gott sah alles was er gemacht hatte, es war sehr schön!  (Gen. 1,31)

 

Einer, der sich im Besonderen von der Schönheit der Schöpfung angesprochen fühlte, war Franz von Assisi. In der Enzyklika Laudato si heißt es über ihn:

 

„Wie es uns geht, wenn wir uns in einen Menschen verlieben, so war jedes Mal, wenn er die Sonne, den Mond oder die kleinsten Tiere bewunderte, seine Reaktion die, zu singen und die anderen Geschöpfe in sein Lob einzubeziehen. Er trat mit der gesamten Schöpfung in Verbindung und predigte sogar den Blumen „und lud sie zum Lob des Herrn ein, wie wenn sie vernunftbegabte Wesen wären“. Seine Reaktion war weit mehr als eine intellektuelle Bewertung oder ein wirtschaftliches Kalkül, denn für ihn war jedes Geschöpf eine Schwester oder ein Bruder, ihm verbunden durch die Bande zärtlicher Liebe. Deshalb fühlte er sich berufen, alles zu hüten, was existiert. Sein Jünger, der heilige Bonaventura, erzählte: „Eingedenk dessen, dass alle Geschöpfe ihren letzten Ursprung in Gott haben, war er von noch überschwänglicherer Zuneigung zu ihnen erfüllt. Auch die kleinsten Geschöpfe nannte er deshalb Bruder und Schwester.“ (LS 11)

 

Weiter heißt es in Laudato si:

 

„Diese Überzeugung darf nicht als irrationaler Romantizismus herabgewürdigt werden, denn sie hat Konsequenzen für die Optionen, die unser Verhalten bestimmen. Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen. Wenn wir uns hingegen allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen. (LS 11)

 

Ohne so radikal wie Franz von Assisi werden zu wollen, können wir mit ihm als Vorbild auch im Sinne von Anselm Grün einen neuen nachhaltigeren Lebensstil finden. Dabei spielt die Schönheit der Schöpfung eine wichtige Rolle. Die Schönheit macht das Lieben und Achten einfacher:

 

        1. Die Schönheit der Schöpfung erfahren

-        Die Schöpfung mit den Sinnen wahrnehmen (äußerer Schönheit)

o   Farben

o   Geräusche,

o   Düfte

o   Geschmack

o   Fühlen

 

-        Die Vollkommenheit und Größe der Schöpfung erkennen (innere Schönheit)

o   Kreisläufe / Wechselwirkungen

o   Makro / Mikroprozesse

o   Jahreszeiten / Leben und Tod

o   Stoffkreisläufe – keine Abfälle

o   Beschränktheit / Fehleranfälligkeit menschlicher „Schöpfungen“

 

        2. Verbundenheit mit der Schöpfung suchen

-        Anthropozentrik ablegen

-        Die Geschwisterlichkeit mit den anderen Geschöpfen und Menschen verinnerlichen

-        Die Verbundenheit mit anderen Geschöpfen und Menschen spüren

-        Das in der Schöpfung und Teil der Schöpfung sein erleben

-        Dankbarkeit

 

      3.  Verbundenheit mit der Schöpfung leben

-        Geschwisterlichkeit zur Natur, zu den Mitgeschöpften und Mitmenschen leben

-        Nach neuen und vielleicht auch alten Wegen der Verbundenheit suchen und diese akzeptieren

-        Genügsamkeit, Fürsorge, einfaches Leben

-        Mit dieser Lebensweise Vorbild sein

 

"Auf die Schönheit zu achten und sie zu lieben hilft uns, aus dem utilitaristischen Pragmatismus herauszukommen. Wenn jemand nicht lernt innezuhalten, um das Schöne wahrzunehmen und zu würdigen, ist es nicht verwunderlich, dass sich für ihn alles in einen Gegenstand verwandelt, den er gebrauchen oder skrupellos missbrauchen kann. Zugleich muss man, wenn man tiefgreifende Veränderungen erzielen will, berücksichtigen, dass die Denkmuster wirklich die Verhaltensweisen beeinflussen. Die Erziehung wird unwirksam, und ihre Anstrengungen werden unfruchtbar sein, wenn sie nicht auch dafür sorgt, ein neues Bild vom Menschen, vom Leben, von der Gesellschaft und von der Beziehung zur Natur zu verbreiten. Andernfalls wird das auf Konsum ausgerichtete Modell, das durch die Kommunikationsmittel und über die wirkungsvollen Räderwerke des Marktes übermittelt wird, weiter fortschreiten." (LS 215)

 

 „Die Schönheit wird die Welt retten.“ Fjodor M. Dostojewski